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Michael

13. Februar 2026 durch
Deborah Henkel

Michaels Herz brannte flammend für das Familiengeschäft und das Produkt Fahrrad. Ihm war viel daran gelegen, dass er sich in seinen unternehmerischen Fähigkeiten mit seinen Geschwistern, von denen einige 15 Jahre und mehr älter als er waren, messen konnte. Er setzte sich stets mit all seiner Energie dafür ein, dass die vom Vater aufgebauten Werke erfolgreich und effizient weitergeführt wurden.

Gegen Ende der 1970er-Jahre kam zu seiner Leidenschaft „Fahrrad“ noch eine weitere hinzu. Auf einem Dorffest nahe seiner Heimatstadt lernte er eine junge Frau namens Petra kennen und verliebte sich in sie. Die beiden heirateten und entschieden sich 1980, Bad Wildungen zu verlassen, um sich in Löhne ein neues Leben aufzubauen. In Ostwestfalen angekommen, übernahm Michael die Leitung der dort ansässigen „Rapier Fahrradfabrik GmbH“. Das Paar baute ein Haus in der Nähe, sodass Michael zu Fuß zu seiner Firma gehen konnte. In den darauffolgenden Jahren bekamen Michael und Petra drei Töchter, und damit war das Familienglück vollkommen.

Michael tat von da an das, was er am liebsten tat – arbeiten. Im Laufe der nächsten zehn Jahre konnte er nach und nach sämtliche Firmenanteile seiner Geschwister übernehmen. Seine Unternehmen expandierten in den Folgejahren kräftig. In Litauen, Tschechien, Bangladesch und Bulgarien kamen zu seinem bestehenden Unternehmensnetzwerk weitere Fahrradfabriken bzw. Beteiligungen daran hinzu. Im Rahmen seiner Tätigkeiten im Ausland trat er der Deutsch-Baltischen Handelskammer für Estland, Lettland und Litauen (AHK) bei und wurde 2010 zu deren Ehrenmitglied ernannt. Sein wirtschaftliches Engagement öffnete ihm den Weg zu einer stärkeren Verbindung mit der deutschen Regierung. Infolgedessen wurde er unter anderem dazu eingeladen, Roman Herzog auf seinen Reisen in die baltischen Länder zu begleiten. Die zahlreichen Mitgliedschaften und Führungspositionen in diversen Verbänden und zunehmende Handelstätigkeiten in Europa und Asien trugen zu einem immer volleren Terminkalender bei. Mit seiner einzigartigen Kombination aus Leidenschaft und Kompetenz brachte Michael die Fahrradindustrie maßgeblich voran und etablierte seine Firmen als führende Hersteller in Deutschland und Europa. Doch all das hat einen Preis: Seine jüngste Tochter Annemarie wird später berichten, dass Michael ein echter Workaholic war und sich und seine Bedürfnisse oftmals aus den Augen verlor. Er führte ein Leben auf der Überholspur, und sein Wohlbefinden hing für ihn viele Jahre lang allein von seiner Arbeit ab, weswegen er diesem Ziel oft auch seine Gesundheit unterordnete: Wenn er irgendwelche Schmerzen hatte und Unwohlsein verspürte, nahm er ein paar Tabletten; bei Müdigkeit standen Red Bull und Kaffee auf dem Programm, bei Stress Zigaretten, zur Entspannung ein Bierchen am Abend und zum Einschlafen halfen Melatonin und Nervensaft. Hauptsache, er trimmte seinen Körper darauf, dass er früh morgens wieder fit für die Arbeit war.

Ein normaler Arbeitstag sah bei Michael dann oftmals so aus: Der Wecker klingelte um 4:30 Uhr, und nur kurze Zeit später war er bereits auf dem Weg zum Flughafen. Gleich nach der Landung besuchte er auf direktem Wege die Firma in dem jeweiligen Land, hielt Geschäftsessen und Besprechungen ab und setzte sich noch am gleichen Abend wieder in den Flieger zurück nach Hannover. Nicht selten endeten Michaels Arbeitstage erst nach 22 Uhr. 

Jacqueline